Change braucht Begleitung, nicht Bevormundung

Change braucht Begleitung, nicht Bevormundung

Myanmar scheint zurück am Nullpunkt – politisch und wirtschaftlich. Aber der erneute Putsch könnte am Ende Treiber einer grundlegenden Veränderung sein, die in den letzten 7 Jahren ausgeblieben ist. Und eben nicht nur, weil das Militär im politischen Setup weiter eine dominante Rolle gespielt hat, sondern auch, weil der Hoffnungsträger NLD mit seiner Galionsfigur keinen Mentalitäts- und Strukturwandel angestoßen hat. Junge Aktivitisten treiben nun den Widerstand. Sie nutzen die gesamte Klaviature moderner Technologien. Sie stehen aber auch für neue Inhalte und reklamieren Positionen jenseits der NLD, ihrer Parteiführung und der „alten weißen Männer“ jedweden Geschlechts oder ethnischer Herkunft. Eine neue Vision Myanmars jenseits der ethnisch-religiösen Kategorien. Eine neue Definition von „Dazugehören“ jenseits der über praktisch ein Jahrhundert zementierten Identitätspolitiken. Allein das schon ist eine revolutionäre Situation in einer Kultur, die einen auch für asiatische Verhältnisse extremen Senioritäts“kult“ betreibt. Nein, die Alten werden es diesmal nicht richten. Und auch nicht die Mönche.

Die Jungen fordern neue Formen der Begleitung durch die internationale Gemeinschaft: Unterstützt Grassroot-Bewegungen und hört auf unsere Anliegen und Bedarfslagen, reklamieren sie. Völlig zurecht. Wenn diese Geschichte gut ausgeht, muss sich die internationale Gebergemeinschaft neu orientieren. Ausgangspunkt: Wandel kann nur von innen getragen und getrieben werden. Die lokalen Akteure brauchen eine Werkzeugkiste. Keine Belehrungen zu Zielen und Verfahren. Analyse und Coaching. Praktisches Know-How zu Politik und Gesellschaft. Nach sieben Jahren internationaler Gebertätigkeit ist den wenigsten klar, dass Myanmar ein Verhältniswahlrecht nutzen könnte – und was das überhaupt ist. Sie brauchen Vorbilder als Inspiration und zur Abgrenzung. Geschichten von Erfolg und Scheitern. Und zwar von Fridays for Future und nicht aus dem politischen Establishment. Gern auch selbstkritische Rückblicke auf Prozesse des Wandels in Europa: Deutschland, Spanien, Portugal, Osteuropa, Balkan.

Zwei Jahre Arbeit an einem spannenden Projekt in Tunesien haben für mich bestätigt: Soft Skills sind der Anfang von Allem. Profiling, Perspektivwechsel, Überzeugen und Einbinden. Auch die Alten und die, die in traditionellen Vorstellungen leben und denken. Für wirkungsvolle Kommunikation braucht es mehr als Posts in Sozialen Medien. Dynamiken in Gruppen vorhersehen und steuern, statt sich von ihnen treiben zu lassen. Und die komplizierte Frage: was heißt Leadership? Change Management. Dazu eine Dosis Pragmatismus und Projektmanagement. Smarte Ziele, pragmatische Allianzen. Risikoanalyse und Risikomanagement.

Die Ausrüstung, mit der Menschen in Myanmar ihr Geschick in die eigene Hand nehmen können!

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